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„Satz des Tages“: wenig Vorbereitung – viel Wirkung

Sowohl die Grammatikvermittlung mit Montessori-Symbolen als auch die Einübung der Rechtschreibung funktioniert in meinem Unterricht sehr gut mit dem „Satz des Tages“. Die Methode ist bei den Kindern sehr beliebt und wird täglich von ihnen gefordert. Dabei wird ein fehlerhafter Satz zur Diskussion gestellt, der möglichst viele falsch geschriebene Wörter enthält, die auch grammatikalisch ungeschickt aneinandergereiht sind. Im Idealfall entspricht der Satz den aktuellen Lernschwerpunkten oder enthält die häufigen bzw. typischen Schülerfehler, deren Analyse sehr hilfreich sowohl für die effiziente Sequenzplanung als auch für die individuelle Sprachförderung sein kann.

Folgende Ziele stehen dabei im Vordergrund:

  • alle Fehler finden
  • die Verbesserungen mit einer Regel begründen
  • die Wortarten bestimmen.

Aber nebenbei lernen die Kinder auch im sozialen und persönlichen Bereich einiges dazu.

Eine bewusste, verständnis- und respektvolle Fehlerkultur als Nebeneffekt

Ich werde oft gefragt, warum ich einen fehlerhaften Satz als Impuls zur Diskussion nehme. Als ich mit der Methode angefing, stand ein korrekter Satz zu Beginn der Stunde an der Tafel, aber die Motivation und Begeisterung, die grammatikalischen Regeln daraus abzuleiten, hielt sich in Grenzen. Als wir mal später ein paar fehlerhafte Schülersätze unter die Lupe nahmen, war die Beteiligung deutlich lebhafter. Schüler nahmen dabei ihre Fehler bewusst wahr und erkannten, dass Fehler machen zum Lernprozess gehört und es auch hilfreich sein kann, darüber zu reflektieren. Allmählich verloren sie ihre Angst die Fehler zu machen und darüber zu sprechen. Es entstand dadurch eine andere Fehlerkultur innerhalb der Klassengemeinschaft, die von Respekt und gegenseitige Hilfsbereitschaft geprägt war, die Fehler zu erkennen und zu erklären.

Fehleranalyse als Methode der Förderdiagnostik

Wenn man ein paar weitere Regeln für die Vorgehensweise eingeführt und eingeübt hat, auf die ich später ausführlicher eingehen werde, ist der Vorbereitungsaufwand äußerst gering: keine Lerntheke aufbauen und auch keine Arbeitsblätter kopieren. Man muss lediglich einen passenden lehrreichen Satz finden und an der Tafel notieren (geht auch digital mit einem interaktiven Board, dazu schreibe ich unbedingt auch noch einen Beitrag). Oft liefern die Hausaufgaben genug Inspiration für den nächsten Satz des Tages, womit sich die Klasse locker eine Doppelstunde beschäftigen kann. Die Fehleranalyse, die man dafür betreibt, ist außerdem eine wichtige Methode der Förderdiagnostik, die Schüler auf ihrem Lernweg effizient unterstützen kann.

Schritt 1: Fehler finden

Schüler melden sich, um immer nur einen Fehler– wichtig! bzw. eine Wortart zu benennen und – ganz wichtig! – mit einer Regel zu begründen. Wenn man keine Begründung dafür hat, darf man einen „Publikumsjoker“ nutzen. Die richtig formulierten Regeln lasse ich im Chor oder einzeln nachsprechen, so werden sie schneller behalten.

Gesprächsregeln sind wichtig!

Erst nach der Erklärung darf der aufgerufene Schüler eigenhändig an der Tafel den Fehler verbessern und diejenigen aufrufen, die – wichtig! – noch nicht dran waren und – sehr wichtig! – vom anderen Geschlecht sind. Erfahrungsgemäß sehen die meisten Schüler ganz viele Fehler, die sie aber nicht begründen können, und wollen dann aber trotzdem alles auf einmal verbessern und anschließend die besten Freunde drannehmen. Daher ist es wichtig, dass man nur 1 Mal pro Runde dran kommen darf, so bleiben die meisten konzentriert dabei. Sobald alle dran waren, aber noch nicht alle Fehler entdeckt wurden, wird die 2. Runde ausgerufen – und es geht von vorne los mit der Fehlersuche.

Wenn man aber die oben genannten Regeln einführt und deren Einhaltung konsequent durchsetzt, kann sich man sich als Lehrer entspannt zurücklehnen und lediglich auf die Richtigkeit der Korrekturen bzw. Begründungen achten und bei Unklarheiten eingreifen. Es läuft insgesamt zwar frontal, aber dennoch durch Schüler moderiert und umgesetzt. Sie müssen dabei auf die Groß- und Kleinschreibung, Satzbau, Grammatik und Zeichensetzung achten und diese entsprechend begründen können.

Schritt 2: Merkstellen im fehlerfreien Satz markieren

Sobald alle Wortarten bestimmt und alle Fehler behoben und besprochen sind, schreibe ich den Satz noch einmal fehlerfrei an die Tafel.  Nun werden unter der Beachtung der oben genannten Gesprächsregeln  die Rechtschreibmerkstellen (Doppelte Konsonanten, Dehnungs-h, ß, eu, ei etc) markiert.

Schritt 3: Den Satz des Tages fehlerfrei aufschreiben

Die Schüler werden aufgerufen, den Satz noch 10 Sekunden genau anzuschauen und „zu speichern“ bzw. „abzufotografieren“, was manche auch sehr gerne pantomimisch nachstellen. Anschließend wird die Tafel zugeklappt und ich diktiere den Satz nochmal, bis alle ihn aufgeschrieben haben.

Schritt 4: Wortarten bestimmen (mit Montessori-Symbolen) und Rechschreibmerkstellen markieren

Anschließend müssen die Schüler die Wortartenzeichen über den Wörtern  malen und die RS-Merkstellen farbig markieren. Sie melden sich, sobald sie fertig sind. Ich verbessere die Fehler nicht, diese müssen die Schüler auch selbst suchen. Je nach dem individuellen Förderschwerpunkt  gebe ich Hinweise, die bei der Suche helfen sollen: den schwachen Schülern mache ich einen Punkt neben dem falschen Wort/Symbol, den fitten teile ich lediglich die Anzahl der Fehler mit, indem ich entsprechende Anzahl der Striche am Rand einzeichne.

Schritt 5: Weitere Sätze nach dem gleichen Muster ausdenken und aufschreiben

An dieser Stelle können die Schüler, die alles richtig erledigt haben, anfangen, weitere Sätze nach dem gleichen grammatikalischen Muster unter Verwendung der  Montessori-Symbole zu generieren. Sobald alles korrekt ist, bekommen sie einen Belohnungsstern. Auf das Belohnungssystem wird in einem separaten Blogbeitrag eingegangen.

Schritt 6: Differenzierter Übungsplan als Erweiterung

Anstatt der Satzproduktion anhand des vorhandenen Musters kann man auch einen Übungsplan als Leitfaden zur Verfügung stellen, der je nach Leistungsstand der Klasse bzw. einer einzelnen Leistungsgruppe angepasst werden kann. Ein großer Vorteil der Vertrautheit der Schüler mit den Aufgabenstellungen ist, dass man nichts mehr erklären muss, sondern lediglich darauf hinweist, welche Punkte für den heutigen Satz des Tages relevant sind oder ob die Schüler selbstständig entscheiden sollen, was sie mit dem Satz anstellen wollen. Hier sind ein paar Impulse für den Übungsplanleitfaden:

Übungsmöglichkeiten zum Satz des Tages

  1. Trage die Silbenbögen ein.
  2. Bilde einen Fragesatz.
  3. Schreibe den Satz in der 1. oder 2. Vergangenheit.
  4. Ersetze den bestimmten Artikel durch den unbestimmten Artikel.
  5. Ersetze Nomen durch Pronomen.
  6. Setze die Nomen in die Mehrzahl.
  7. Bilde einen Satz mit Bindewort.
  8. Schreibe weitere Sätze nach dem vorgegebenen Muster.

Habt ihr noch weitere Ideen, wie man die Liste ergänzen könnte? Schreibt sie gerne als Kommentare!

Veröffentlicht in DAZ Deutschunterricht Grammatik Montessori Unterrichtsentwicklung

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