
Der Beitrag von Tina Seimel bringt es auf den Punkt. Ich würde den fehlenden Austausch noch um eine kulturelle und strukturelle Perspektive ergänzen: Teilen scheitert an Schulen oft nicht an mangelnder Bereitschaft, sondern an eingeübten Mustern – Konkurrenzdenken, Perfektionsanspruch und fehlender Remix-Kultur.
Gerade im Referendariat lernen viele eher, die „eigene“ perfekte Stunde zu produzieren, als Materialien gemeinsam weiterzuentwickeln. Dazu kommt die Unsicherheit: „Das ist noch nicht gut genug, um es anderen zu zeigen.“

Besonders deutlich wird das gerade im Kontext von Startchancen und Basiskompetenzförderung: Viele Schulen stehen vor ganz ähnlichen Herausforderungen, alle entwickeln Materialien, Konzepte und Lösungen – und trotzdem kocht wieder jede Schule ihr eigenes Süppchen. Erfahrungen, Materialien und Erkenntnisse werden kaum systematisch schulübergreifend geteilt, für beteiligten Teams gibt es kaum schulübergreifende Austauschangebote. Das kostet enorme Ressourcen und führt paradoxerweise dazu, dass wir zwar überall an „Verbesserung“ arbeiten, die zugrunde liegende Lern- und Schulkultur aber oft unverändert bleibt.
Gleichzeitig zeigt Eduki, dass Lehrkräfte sehr wohl bereit sind, Materialien zu teilen – dort allerdings meist kommerziell und häufig in Form kaum veränderbarer PDFs. Was uns fehlt, ist eine wirklich attraktive OER-Infrastruktur: niedrigschwellig, hochwertig und nutzerfreundlich, aber mit offenen Lizenzen und editierbaren Materialien.
Vielleicht müssten wir viel stärker vom einzelnen Material hin zu einer echten schulübergreifenden Wissens- und Remix-Kultur denken. Denn Entlastung entsteht nicht dadurch, dass alle dasselbe Rad etwas besser neu erfinden, sondern dadurch, dass wir aufeinander aufbauen können.
Daher plane ich gerade ein paar neue Fortbildungsformate in neuen Schuljahr, um genau diese Veränderungen der Haltung und des Handelns anzustoßen. Stay tuned!
