Es wäre doch großartig, diese gemeinsame Haltung einer lebendigen Lesekultur in einem Kollegium an einer Schule zu etablieren, oder? Was wäre dabei entstanden?
Von unseren Schülerinnen und Schülern erwarten wir ganz selbstverständlich, dass sie Bücher lesen, sich darüber austauschen, Texte analysieren und ihre Gedanken schriftlich festhalten – verbunden mit einer Bewertung. Doch wie selbstverständlich leben wir selbst diese Kultur des gemeinsamen Lesens und Denkens vor?
Würden wir es als Erwachsene schaffen, uns ohne Beurteilungsdruck auf einen Text einzulassen, unterschiedliche Deutungen auszuhalten, unsere eigenen Überzeugungen infrage zu stellen und voneinander zu lernen? Vielleicht zeigt sich gerade darin pädagogische Haltung: nicht nur Lesekompetenz einzufordern, sondern Neugier, Reflexion und offenen Austausch im Kollegium selbst sichtbar vorzuleben.
Es gibt inzwischen wunderbare Buchclubs und Lektürekreise im Bildungsbereich – etwa den EduBuchklub rund um Nele Hirsch für alle Bildungsinteressierte oder den Lektürekreis am Lehrstuhl, von dem Nina Bremm in ihrem Beitrag berichtet.
Dabei habe ich mir gedacht:
Was würde entstehen, wenn sich auch ein Kollegium an einer Schule regelmäßig Zeit nähme, um gemeinsam zu lesen, zu denken und sich darüber auszutauschen?
Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter:innen, pädagogische Mitarbeitende und Schulleitung – bei manchen Themen vielleicht auch Eltern sowie je nach Schulart und Alter die Schülerinnen und Schüler.
Auf dem von mir servierten Büchertisch könnten beispielsweise liegen:
📚Pädagogik Heft 5/Mai 2026: Basiskompetenzen
📚Neue Narrative Ausgabe 20: Lernen
📚 Aladin El-Mafaalani: Mythos Bildung
📚 Margret Rasfeld und Ute Puder: Schuldrama
📚Anne Sliwka und Britta Klopsch: Das lernende Schulsystem: Paradigmenwechsel in der Bildung
📚Björn Nölte und Philippe Wampfler: Eine Schule ohne Noten. Neue Wege zum Umgang mit Lernen und Leistung
📚Jan Vedder: Schule zwischen KI und Kreidestaub: Ein Leitfaden für Lernorte mit Zukunft
So könnte aus einem Lektürekreis ein kleines schulinternes Reallabor werden: ein geschützter Denkraum, aus dem neue Lernformate, andere Beziehungen, veränderte Routinen und vielleicht auch völlig unerwartete Lösungen entstehen.
>>> Welche Bücher / Zeitschriften würdet ihr auf den Tisch legen?
>>>Und wie ist eure spontane Einschätzung: ist es eher utopisch oder eher realistisch einen solchen Lektürekreis tatsächlich an eurer Schule zu etablieren?
