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Schultransformation & Persönlichkeitsentwicklung

Wie Struktur und Offenheit Lernprozesse ermöglichen

Nataliya Levytska, 25. Mai 202626. Mai 2026

Die Maria-Leo-Grundschule in Berlin Prenzlauer Berg ist nicht einfach eine gute Schule – sie ist laut Jury des Deutschen Schulpreises 2025 die beste Schule des Landes. Im Rahmen eines Webinars vom Deutschen Schulportal der Robert-Bosch-Stiftung am 21. Mai gewährte die Schule wertvolle Einblicke in ihre Arbeit und ihr Entwicklungsverständnis. Als Transformationsbegleiterin bei Schule im Aufbruch und als Leiterin der Steuergruppe an der eigenen Schule möchte ich drei wichtigste Aspekte hervorheben und zusammenfassen, die ich für eine erfolgreiche Schulentwicklung als besonders wirksam erkannte.

1. Schulentwicklung braucht zuverlässige Daten durch hohe Beteiligung

Was die Maria-Leo-Grundschule beim Thema Evaluation auszeichnet, ist kein ausgefeiltes Messinstrument – es ist eine Haltung. Daten werden nicht erhoben, um sie abzuheften. Sie werden effizient genutzt, um gemeinsam weiterzukommen.

Konkret zeigte sich das an der Entwicklung neuer Lernhausstrukturen: Zunächst wurden Online-Umfragen zu neuen Lernhausstrukturen mit der 95%igen Beteiligung durchgeführt, die Ergebnisse auf einer Konferenz vorgestellt und gemeinsam ausgewertet. Obwohl die Mehrheit mit den Teamstrukturen zufrieden war, wurden dennoch Entwicklungsschwerpunkte in den folgenden Bereichen deutlich:

  • Austauschmöglichkeiten zwischen Lehrer:innenn und Erzieher:innen innerhalb eines Lernhauses sowie lernhausübergreifende Austauschmöglichkeiten wurden noch bemängelt.
  • zeitlicher Ablauf, Strukturierung sowie effektive Zeitnutzung von Sitzungen und die Verbindlichkeit der Absprachen waren noch nicht effizient optimiert.

Aus der Rückmeldung der Mehrheit kristallisierten sich klare Entwicklungsschwerpunkte heraus. Daraus leitete das Team konkrete Maßnahmen ab – etwa die Einführung strukturierter Lernhaussitzungen, verbindlicher Protokollformate und regelmäßiger Team-Meetings, die vormittags einen festen Slot in dem Wochenablauf hatten. Nach einer Erprobungsphase folgte erneut eine Befragung, um zu prüfen, ob die Veränderungen tatsächlich wirken und von der Mehrheit auch getragen und akzeptiert werden.

Was folgte, war kein Zufall: innerhalb des Kollegiums stieg nachweislich die Zufriedenheit – mit der Zusammenarbeit, der Schul- und Unterrichtsentwicklung, dem Wohlbefinden insgesamt, was die Leitung zusätzlich motivierte und in ihrem Wirken stärkte. Das besonders wertvolle an der Entwicklung: digitale Ablagen, Protokollführung oder Transparenzstrukturen wurden nicht von oben vorgegeben, sondern durch das Kollegium entwickelt und schulweit etabliert, weil die Teams selbst deren Notwendigkeit erkannt hatten – man merkte, dass Transparenz fehlte oder dass man manchmal die Entscheidungswege nicht nachvollziehen konnte, wenn man persönlich nicht dabei war.

Wenn Menschen erleben, dass ihre Rückmeldungen gehört werden und zu echten Veränderungen führen, steigt nicht nur Zufriedenheit, sondern die Akzeptanz der Maßnahmen.

Fazit: Menschen tragen Veränderungen eher mit, wenn sie sie mitgestalten. Kollektive Verantwortung für die Schulentwicklungsprozesse entsteht durch die kollektive Wirksamkeit.

2. Transformation braucht Räume – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne

Zeiträume zur Planung, Austausch & Reflexion

Nachhaltige Schul- und Unterrichtsentwicklung benötigt eigene Zeiträume und kann nicht sporadisch in Randstunden nach dem Unterricht stattfinden – auch wenn dies vielerorts noch Teil der gelebten Konferenzkultur ist.

Deswegen startet an der Maria-Leo-Grundschule der Unterricht am Montag erst um 9 Uhr. Ab 8 Uhr sind alle Pädagog:innen zum Monday-Meeting-Point in der Schule. Bis 8.45 finden im rotierenden System die Lernhaus-, Klassenteamsitzungen oder Fachkonferenzen statt, die von den jeweiligen Team oder Fachleitungen vorbereitet und geleitet werden. Wenn man keine Sitzung hat, nutzt man die Zeit dennoch zum Austausch mit den Kolleg:innen aus und hat einen gemeinsamen Start in die neue Woche.

Um diesen zeitlichen Raum den Teams zu gewähren, wurden Kinder, Eltern und Lehrkräfte selbstverständlich befragt. Eine klare Mehrheit – mehr als zwei Drittel – sprach sich für den späteren Start aus. Bei der Umsetzung wurden auch Unterstützungsangebote für diejenigen geschaffen, die Betreuung benötigten.

Es sind auch weitere Slots im Wochenverlauf sind für zahlreiche Besprechungen fest verankert: die verschiedene Teamsitzungen mit der Schulleitung, ein Jour-fix-Termin des Schulleitungsteams für sich allein, das Team bestehend aus Lehrkräften tagt wöchentlich in rotierenden System. Je nach Teamrolle und Zuständigkeiten geht es dabei um Projektplanungen oder grundsätzliche Weiterentwicklungen der Lernhäuser. Dabei entstehen kollaborativ die Unterrichtsinhalte, die man in der Regel allein und nachmittags wesentlich zeitintensiver vorbereiten müsste.

Im Stundenplan der Kinder gibt es auch einen festen Zeitraum für Coaching durch die Lehrkräfte und Denkzeit zur Reflexion der eigenen Zielsetzungen und Lernprozesse – ein wöchentliches Lernentwicklungsgespräch (LEG), das man nicht nur als Zeugnisersatz, sondern als eine ritualisierte Methode in einer individualisierten Lernkultur etablierte.

Lernräume für Inputs & Übung @ Ateliers oder Lerninseln

In Maria-Leo-Grundschule gibt es keine klassischen Klassenzimmer für jede Klasse – stattdessen verschiedene Lernorte mit verschiedenen Funktionen, die von mehreren Gruppen flexibel genutzt werden können:

  • Lernateliers: Ruhige, konzentrierte Arbeitsbereiche, in denen Kinder und Lernbegleiter:innen einen festen eigenen Arbeitsplatz haben. Hier wird nur geflüstert. Die Ateliers sind in drei Lernateliergruppen unterteilt und dienen auch als Raum für Coaching – Lernbegleiter:innen unterstützen die Kinder individuell auf ihrem Lernweg.
  • Inputräume: Orte für Gruppenarbeit und neue Lerninhalte. Gerade in den Grundfächern – Mathematik, Deutsch, Englisch – brauchen Kinder immer wieder neuen Input. Diese Räume schaffen dafür den nötigen Rahmen mit Material, ob in kleinen oder größeren Gruppen.
  • Forum: Ein offener Begegnungsraum, in dem ganz normal gesprochen werden darf – Austausch, Präsentation, Gemeinschaft.
  • Lerninseln: Kleinere Bereiche mit Podesten, Gruppentischen, Stehtischen und Computerecken, die zu selbstorganisiertem Lernen einladen. Hier darf man nach eigenem Rhythmus und an selbst gewählten Orten arbeiten.

Strukturräume für soziales Miteinander und wachstumsorientierte Persönlichkeitsentwicklung

Freiheit braucht Struktur – das Level-Up-Konzept

Damit diese offene Lernumgebung nicht im Chaos endet, hat die Schule einen Lernhauskodex und ein Level-Up-System entwickelt – ein Konzept, das mich an das Graduierungskonzept der ebenfalls preisgekrönten Alemannenschule erinnert. Der Gedanke dahinter: Es geht nicht darum, Kinder zu kontrollieren oder zu bestrafen, sondern darum, ihnen zu helfen, mit Freiheit umzugehen und Verantwortung schrittweise zu übernehmen.

Lern- und Sozialverhalten werden in regelmäßigen Abständen besprochen und gewürdigt. Kinder können nachvollziehbare Meilensteine erreichen und werden entsprechend „upgegradet“ – oder bei Bedarf auch zurückgestuft. Das System schafft Orientierung und Verbindlichkeit, ohne autoritär zu sein. Es gibt ein einheitliches Vorgehen bei Störungen – nicht als Disziplinarmaßnahme, sondern als pädagogisches Angebot: Lerne, was Freiheit bedeutet und wie du damit am besten im Sinne des persönlichen Wachstums umgehst.

Daher macht es Sinn für alle Teams am Ende des Schuljahres eine Retrospektive durchzuführen und sich mit der folgenden Leitfrage zu beschäftigen, um im neuen Schuljahr die Verbesserungen zu ermöglichen: Welche zeitlichen und sozialen Räume schaffen und schützen wir aktiv für alle Teams, damit Austausch, Reflexion und gemeinsame Weiterentwicklung überhaupt stattfinden können?

3. Schulentwicklung braucht Vorbilder – „remix, what already works“

Der dritte entscheidende Aspekt klingt fast banal – und ist dennoch immens wichtig: gute Schulen erfinden nicht alles neu – sie lernen voneinander.

Die Maria-Leo-Grundschule hat nicht versucht, das Rad neu zu erfinden. Die Schulleitung kannte viele andere Preisträgerschulprofile, sie hat Podcasts gehört, inspirierende Bücher gelesen, Hospitationen gemacht und Netzwerke aktiv genutzt. Und dann hat sie das Beste davon genommen – und für die eigene Schule neu zusammengesetzt. Wer offen durch andere Schulen geht, wer zuhört, wer fragt, wie andere mit ähnlichen Herausforderungen umgehen, der spart nicht nur Zeit – er bekommt auch neue Perspektiven und ein aktives Netzwerk.

Das ist kein Abkupfern, sondern remixen.

Gute Ideen werden nicht eins zu eins übernommen, sondern an den eigenen Kontext angepasst. Schulentwicklung darf nicht weiterhin ein Einzelkampf jeder Schule sein. Netzwerke, Hospitationen und Austauschräume schaffen kollektives Lernen sowie den wichtigsten Hebel für nachhaltige und flächendeckende Transformation der Bildungslandschaft:

Gemeinsames schulübergreifendes Lernen der wachstumsorientierten Schulfamilien.

Haltung Konzeptentwicklung Loop Approach Persönlichkeitsentwicklung Schulentwicklung Unterrichtsentwicklung 4kkollaborationschulentwicklungzeitgemäßebildung

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Über mich

Hallo!

Ich heiße Nataliya Levytska und bin Bildungsreferentin, Autorin und Visionärin, die systemisch und systematisch das Bildungssystem zusammen mit Gleichgesinnten transformiert.

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